Das Monatsfenster:
ein persönlicher Blick
Währungskrise und Tourismus
Es braucht mehr als kurzfristiges Denken
von Viola Amherd, Nationalrätin
Die Nationalbank handelt entschlossen gegen die Euroschwäche, der Bundesrat spricht 2 Milliarden Franken zur Stützung von Wirtschaft und Tourismus und Gastrosuisse verlangt vorübergehend einen einheitlichen Mehrwertsteuersatz von 2,5 % für das Gastgewerbe. Ich unterstütze diese Programme. Sie können helfen, die akuten Folgen der Frankenstärke zu dämpfen.
Allerdings dürfen wir uns keine Illusionen machen: Auf die Dauer braucht die Tourismusindustrie mehr. Die Rahmenbedingungen müssen für diesen wichtigen Wirtschaftszweig nachhaltiger verbessert werden. Und zwar so, dass die Branche die Währungskrise selber meistern kann. Hier sind wir Politiker auch nach den Wahlen gefordert. Dazu gehört zum einen die Unterstützung des Standortmarketings durch die Erhöhung der Beiträge an Schweiz Tourismus. Die betroffene Branche bleibt in der Eigenverantwortung, und der Anreiz für notwendige Strukturreformen bleibt bestehen. Der Bundesrat muss hier mehr Mittel vorsehen, als er zurzeit eingeplant hat. Zu den Rahmenbedingungen gehören zum anderen auch die Optimierung der Planungs- und Entscheidungsgrundlagen. Gerade bei der Beherbergungsstatistik, insbesondere für die Parahotellerie, bestehen noch erhebliche Lücken. Ich habe den Bundesrat schon mehrmals aufgefordert, diese zu schliessen. Ein Vorstoss ist noch hängig.
Darüber hinaus braucht das Gastgewerbe für seine Lebensmitteleinkäufe funktionierende Marktmechanismen, die für gleich lange Spiesse mit der ausländischen Konkurrenz sorgen und das hiesige Kostenniveau senken. Das betrifft auch die Öffnung des Agrarmarktes. Die Interes-sen von Landwirtschaft und Tourismus driften in diesem Punkt auseinander. Doch müssen wir uns bewusst sein, dass Landwirte und Touristiker eng vernetzt und voneinander abhängig sind. Wir kommen nicht um die Abgleichung ihrer unterschiedlichen Interessen herum.
Und schliesslich ist die Mehrwertsteuerreform mit einem tieferen Satz für Beherbergung und Gastronomie nicht nur rasch, sondern auch definitiv umzusetzen. Das Zweisatz-Modell mit einem Normal- und einem Tourismus-Satz ist realistisch und bereits weit gediehen.
Erst mit diesen Massnahmen kann dem Tourismus jener Boden geboten werden, auf den er solide aufbauen und sich auch schwierigen Wirtschaftslagen stellen kann.
